Mittwoch, 26. August 2009

Lebensweisheit in dem Gleichnis - Der Frosch und der Skorpion


Ein Skorpion trifft am Ufer eines Flusses einen Frosch.
"Lieber Frosch, nimmst du mich auf deinem Rücken mit ans andere Ufer?", fragt der Skorpion.

"Ich bin doch nicht lebensmüde. Wenn wir auf dem Wasser sind,
dann stichst du mich und dann sterbe ich", antwortet der Frosch.

"Nein, wenn ich dich steche, dann gehe ich doch auch unter und sterbe", sagte der Skorpion.

"Das leuchtet mir ein. Steig auf meinen Rücken", sagt der Frosch.

Kaum sind sie ein paar Meter geschwommen,
verspürt der Frosch einen stechenden Schmerz.

"Verdammt, jetzt hast du mich ja doch gestochen.
Jetzt sterben wir beide", sagt der Frosch.

"Ich weiss. Tut mir leid, aber ich bin ein Skorpion, und Skorpione stechen nun mal", antwortet der Skorpion.

[Quelle: http://www.palverlag.de
Bild: steelman24.com]

Montag, 17. August 2009

Nun habe ich mir vor wenigen Tagen die x-te Fassung von Kahlil Gibran's "Der Prophet" gekauft und war hoch erfreut über dieses vermeintliche "Schnäppchen". Doch Pustekuchen!!!!... denn dadurch, dass dieses kleine Büchlein eingeschweißt war, entging mir beim Kauf die Tatsache, dass es sich um eine sogenannte "Neuauflage" handelte. Diese Neuauflage ist in einem zeitgenössischen Deutsch geschrieben und noch während ich beim Lesen gedanklich die gerade lesenden Sätze beenden wollte, fiel mir auf, dass ich gar nicht mehr verstand, was durch die Überarbeitung zum Ausdruck gebracht werden sollte.

Original:

Vom Schmerz

Und eine Frau sagte: Sprich uns vom Schmerz.

Und er antwortete:

Euer Schmerz ist das Zerbrechen der Schale, die euer Verstehen umschließt.

Wie der Kern der Frucht zerbrechen muss, damit sein Herz die Sonne erblicken kann, so müsst auch ihr den Schmerz erleben.

Und könntet ihr in eurem Herzen das Staunen über die täglichen Dinge des Lebens bewahren, würde euch der Schmerz nicht weniger wundersam scheinen als die Freude;

Und ihr würdet die Jahreszeiten eures Herzens hinnehmen, wie ihr stets die Jahreszeiten hingenommen habt, die über eure Felder streifen.

Und ihr würdet die Winter eures Kummers mit Heiterkeit überstehen.

Vieles von eurem Schmerz ist selbstgewählt.

Er ist der bittere Trank, mit dem der Arzt in euch das kranke Ich heilt.

Daher traut dem Arzt und trinkt seine Arznei schweigend und still;

Denn seine Hand, obwohl schwer und hart, wird von der zarten Hand des Unsichtbaren gelenkt,

Und der Becher, den er bringt, ist, obwohl er eure Lippen verbrennt, geformt aus dem Ton, den der Töpfer mit seinen heiligen Tränen benetzt hat.



Überarbeitung:

Und eine Frau sprach und sagte: Erzählt uns vom Schmerz. Und er sagte: Euer Schmerz ist das Aufbrechen der Schale, die euer Verstehen umgibt. So wie der Kern einer Frucht erst aufbrechen muss, um sein Herz der Sonne zu zeigen, so müsst auch ihr den Schmerz kennen. Und könntet ihr in eurem Herzen das Staunen bewahren über die täglichen Wunder eures Lebens, dann erschiene euch auch euer Schmerz nicht weniger wunderbar als eure Freude; Und ihr würdet die wechselnden Zeiten eures Herzens erdulden, so wie ihr immer schon die Jahreszeiten ertrugt, die über eure Felder hinweggehen. Und ihr würdet die Winter eures Kummers mit Gelassenheit überstehen. Ein Großteil eures Schmerzes ist selbst gewählt. Es ist der bittere Trank, mit dem der in euch das kranke Selbst kuriert. Deshalb vertraut dem Arzt und trinkt seinen Heiltrank in Ruhe und Frieden; Denn seine Hand, wenn auch bleiern und hart wird geführt von der zärtlichen Hand des unsichtbaren Gottes,

Und er Krug, den er bringt, auch wenn er eure Lippen verbrennt, ist geformt aus dem Lehm, den der Töpfer selbst mit Seinen heiligen Tränen befeuchtet hat.